© HVV Pivitsheide V.L. e.V. - 2018
Das Ehrenamt
Heimat-und Verkehrsverein
Pivitsheide V.L. e.V.
Schlägt man den Lokalteil einer Zeitung auf, so findet man eigentlich täglich Berichte über Einzelpersonen oder Gruppen, die uneigennützig und unentgeltlich ihre Zeit opfern und ihre Arbeitskraft einsetzen, um Missstände zu beseitigen oder Notlagen zu mildern. Die Betätigungsfelder dieser besonderen Spezies Mensch sind äußerst vielfältig und berühren fast alle Lebensbereiche. Die so Aktiven finden aber nicht immer uneingeschränkten Beifall oder rückhaltlose Unterstützung. Schon immer hat es auch in allen Gemeinwesen den Typ „Ohne mich“ gegeben. Der Ohnemichler hält sich aus allem raus und denkt sich „Wenn die das machen wollen, dann lass die mal!“ Eine andere Spezies findet solche altruistischen Verhaltensweisen sogar empörend und meint: “Für so etwas ist doch der Staat zuständig. Wofür zahlt man schließlich seine Steuern?“ Für den egoistischen Typen steht fest, dass unentgeltliche Tätigkeiten ohne Eigennutz ein ziemliches Maß an Dummheit belegen und Dummheit will man sich ja nun auf gar keinen Fall nachsagen lassen. Aber ist es wirklich dumm, unnötig oder Zeitverschwendung, wenn ehrenamtliche Tätigkeiten geleistet werden? Was wäre beispielsweise in meinem Ortsteil Pivitsheide V.L. anders, wenn es die Ehrenamtlichen nicht gäbe? Als Vorsitzender des örtlichen Heimat- und Verkehrsvereins, aber auch als Mitglied im Ortkartell, dem Zusammenschluss von rund 20 Vereinen aus meinem Ortsteil und als Mitglied der Interessengemeinschaft der Detmolder Heimat, Kur- und Verkehrsvereine habe ich einen praxisnahen konkreten Einblick in die vielfältigen ehrenamtlichen Betätigungen dieser Vereine. Was durch meine Vereinsmitglieder geleistet wird, bekomme ich natürlich aus erster Hand mit und kann deshalb darüber besonders authentisch berichten. Ohne unser Team „Bänkewarte“ wäre es um die rund 100 Ruhebänke im Ortsteil schlecht bestellt. Sie wurden einmal aufgestellt, als Pivitsheide V.L. sich noch „Luftkurort“ nennen durfte. Für die Stadt wäre es personell nicht leistbar, die Bänke zu warten, zu pflegen und zu reparieren. Ohne die Bänkewarte meines Vereins gäbe es ziemlich sicher nur noch einige ganz wenige Bänke an exponierter Stelle. Ein weiteres sehr arbeitsintensives Dauerengagement ist die Unterhaltung des Grillplatzes an der Kussel. Auch hier gibt es Stimmen, die sagen: „Weg damit, das lockt nur Jungvolk an, die Lärm machen und Müll hinterlassen“. Aber wäre es richtig, wegen einiger weniger Chaoten eine solche Einrichtung zu schließen? Legal genutzt wird der Grillplatz nämlich von Kindergärten, Schulklassen, Vereinen oder privaten Gruppen, die auf einem idyllisch gelegenen Plätzchen einmal ein paar unbeschwerte Stunden verbringen möchten, abseits vom Verkehr und ausgestattet mit Wasser, Strom, Grillplatz, Unterstand und einer Sanitäreinrichtung. Richten wir unseren Blick auf eine weitere öffentliche Einrichtung, dessen Existenz im Wesentlichen auf das Engagement meines Vereins
zurückgeführt werden kann. Gemeint ist der Mühlenteich sowie ein Teilstück der ihn speisenden Rethlage und das ihn umgebene kleine Naherholungsgebiet. Ohne die nachhaltigen Appelle an die Stadtverwaltung wäre die Teichanlage sicher der Versandung anheim gefallen. Durch Vorlage von Sanierungskonzepten konnte letztlich erreicht werden, dass die Stadt mit Hilfe von Landesmitteln eine umfassende Restaurierung der gesamten Teichanlage und eines Teilstücks der Rethlage mit Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit hat durchführen lassen. Mein Verein hat wesentlich daran mitgewirkt, diese Anlage zu erhalten und ihr das heutige Gepräge zu verleihen. Eine Initiative, die nicht durch den Heimat- und Verkehrsverein ins Leben gerufen wurde, möchte ich nicht unerwähnt lassen, weil durch sie auch eine wichtige öffentliche Einrichtung in unserem Ortsteil erhalten wurde. Es ist das ehrenamtliche Engagement zur Erhaltung des Freibades Fischerteich. Auch hier wurde Großes geleistet, um ein Freibad zu retten, um dessen zauberhafte Lage am Rande des Teutoburger Waldes uns viele beneiden. Sicher gäbe es noch sehr viel mehr über ehrenamtliche Tätigkeiten zu berichten; doch ich denke, dass die aufgezeigten Beispiele belegen, welch prägender Charakter sie für unser Ortsbild haben und welchen unmittelbaren positiven Einfluss auf die Lebensqualität der Ortsteilbewohner. Wenn ich also die eingangs aufgestellte Hypothese noch einmal aufgreife und frage, ob es nutzlose Wichtigtuer sind, die sich auf diese Art und Weise bestätigen, so möchte ich festhalten, das sie viel eher sehr Wichtiges tun, das von hohem Nutzen für die Allgemeinheit ist. Ohne diese Aktivitäten wäre unser Gemeinwesen ärmer, weil der Staat oder unsere Kommunen dies nicht leisten können. Allerdings möchte ich an dieser Stelle lobend hervorheben, dass wir in unserem Verein durch die Fachbereiche der Stadt gut beraten und unterstützt werden. Unterstützung finden wir auch immer wieder bei öffentlich rechtlichen Instituten, Privatunternehmen und Privatleuten. Deshalb fühlen wir uns nicht als einsame Kämpfer, sondern haben eine ganze Menge Spaß bei dem, was wir machen. Also wie wär’s? Vielleicht kann ich ja bei einer der nächsten Müllsammelaktionen oder einer anderen ehrenamtlichen Tätigkeit mal wieder ein neues Gesicht entdecken. Das wäre fast zu schön, um wahr zu sein.

Das Ehrenamt:

Nutzloser Zeitvertreib für Wichtigtuer oder unverzichtbares Standbein eines funktionierenden Gemeinwesens? Ein Bericht von Hans-Dieter Buckoh
Dieser Bericht wurde im “Lippe Magazin” des Kreis Lippe Ausgabe Juli 2007 veröffentlicht.