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Heimat-und Verkehrsverein
1604
Die Kinder aus der noch jungen Bauernschaft Pivitsheide VL besuchten zuerst die 1604 gegründete Küsterschule in Stapelage und der Küster von
Geelern wurde als Schulmeister eingesetzt. Es gab noch kein Schulgebäude, der Unterricht fand im Küsterhaus statt.
1656
1656 wurde dann die erste Schule in Stapelage gebaut. Sie stand bei der Kirche von Stapelage. ( August Saaksmeier, Volksschule Stapelage 1968).
Die Volksschule diente der Bildung des einfachen Volkes und war Ergebnis der Reformation. Es war keine Schule im heutigen Verständnis, die Kinder
sollten im Katechismus, Kirchengesang und Beten unterrichtet werden.
1685
Bereits im Jahre 1685 baten die Pivitsheider um einen eigenen Schulmeister, da der Weg nach Stapelage für die Kinder zu weit sei. Diese Bitte wurde
zunächst abgelehnt.
1703
Im Jahre 1703 war es dann soweit, der erste Schulmeister, Herr Dubbert, wurde für Pivitsheide VL verordnet. Er wohnte und unterrichtete in einem
sehr armseligen Haus, was nicht einmal ein Dach hatte. Er beklagte, er könne bei Regenwetter seine Schularbeit nicht verrichten.
1708
Im Jahre 1708 wurde beschlossen, ein neues Schulhaus zu bauen. Der Bau des Schulhauses verzögerte sich und der Schulmeister Dubbert beklagte
sich im Jahre 1710 erneut bei den Behörden.
1712
1712 wurde dann der Bau des Schulhauses ausgeführt.
1728
Dubberts Nachfolger wurde 1728 der Schulmeister Pagemeier, in dieser Zeit war das Schulmeister Amt in Pivitsheide VL mit dem Vorsänger Amt in
der Stapelager Kirche verbunden. Der Schulmeister Pagemeier blieb bis zu seinem Tod 1782 im Amt.
1782
Ihm folgte im gleichen Jahr der erste seminaristisch ausgebildete Lehrer Herr Anton Heinrich Windmeier, der seine Ausbildung in dem am
27. Dezember 1774 eröffneten Lehrerseminar Detmold erhielt. Er beklagte, dass das Schulhaus in einem schlechten Zustand sei. In der Schulstube,
die eine Länge von 4,30 m und eine Breite von 5,74 m hatte, wurden zwischen 60 und 70 Kinder unterrichtet.
1787
Der Lehrer Anton Heinrich Windmeier trat 1787 die Stelle als Küster in Stapelage an. Die Lehrerstelle in Pivitsheide wurde mit Lehrer Brotschmit
neu besetzt, der 1791 starb.
1791
Ihm folgte Lehrer Berkemeier, der beklagte, dass es im Schulhaus keinen Keller gebe und er seine Gartenfrüchte draußen in der Erde vergraben
müsste, wo sie ihm gestohlen würden. In einem Bericht des Predigers von Stapelage erklärt der, dass der Schuldienst in Pivitsheide VL der
beschwerlichste im ganzen Land sei.
1794
Die Schule in Pivitsheide wurde im Jahre 1794 von 157 Kindern besucht. Auf Lehrer Berkemeier folgte Lehre Tölke, der dann 1806 die Stelle als
Kantor in Lage antrat. (Friedrich Sauerländer, Blätter für lippische Heimatkunde Nr. 1, 1906, 7Jahrgang)
1800
Um 1800 werden, ausgehend von Böhmen, die ersten sogenannten Industrieschulen gegründet. Die Schule in Pivitsheide VL schließt sich dieser
neuen Strömung an, die Kinder lernen neben den damals klassischen Schulfächern wie zum Beispiel Schreiben, Rechnen Singen, Katechismus
und biblische Geschichten, verschiedene Handarbeiten kennen. Sie lernen Flachs und Wolle zu spinnen, stricken, nähen und flicken. Die Lehrerin
in diesem Bereich war gewöhnlich die Frau, Mutter oder Schwester des Schulmeisters.
1810
In einem Verzeichnis der Arbeiten in den Industrieschulen des Landes Lippe von 1810 wird die Schule in Pivitsheide VL mit aufgeführt. Es wurden
665 Paar neue Strümpfe, 117 Paar angestrickte Strümpfe und 63 Paar Handschuhe gefertigt und Einnahmen von 142 Reichstalern aufgelistet. Die
Kinder verdienten in den Industrieschulen Geld zum kläglichen Familieneinkommen dazu, was für viele Familien in dem armen Pivitsheide von
großer Bedeutung war. Die Blütezeit der Industrieschulen war von 1800 bis 1830.
1850
Um 1850 sind von diesen Handarbeiten nur noch zwei bis drei Wochenstunden für weibliche Handarbeit geblieben. (Volker Wehrmann, Die Schulen
in Lippe 1800 – 1945,1980).
1835
In dem Buch von August Saaksmeier Volksschule Stapelage – Hörste wird auf Seite 62 von einem Schulneubau in Pivitsheide im Jahre 1835
berichtet,
der allerdings den Platzmangel nicht beseitigen kann. In Pivitsheide werden 260 Kinder von zwei Lehrern unterrichtet. Bei diesem Schulneubau
handelt es sich wahrscheinlich um den vorderen Teil der Schule am Eichenkrug. Es gab zwei Klassenzimmer und eine Lehrerwohnung zur Straße in
Richtung Eichenkrug. Zur Schule am Eichenkrug gehörten im Jahre 1880 ca.15034 qm Land, das vom jeweiligen Lehrer bewirtschaftet wurde und
einen wichtigen Teil zur Versorgung der Familie darstellte, da die Vergütung nicht so üppig war. Auf der Seite zu dem alten Wohnhaus der Familie
Freytag stand ein Schweinestall, der ebenfalls zur Schule gehörte.
1885
1885 wahren Lehrer Siekmann, der wahrscheinlich in der Wohnung der Schule lebte und als Nebenlehrer Herr Schlepper an der Schule am
Eichenkrug beschäftigt.
1890
Ende 1890 wurde der Schulbau um ein Klassenzimmer erweitert, in dem Teil eröffnete später der Zahnarzt Dr. Weltzien seine Praxis. Auf der Seite,
wo
heute die Garagen der Firma Wolfgang Jobst stehen wurde zur gleichen Zeit ein Abort, getrennt für Mädchen und Jungen, errichtet. Die Schule in
Pivitsheide gehörte damals noch zum Schulbezirk Stapelage. Mit dem Volksschulgesetz vom 11. März 1914 wurde die geistliche Schulaufsicht
beendet.
1915
Im Jahre 1915 wurde der Kreisschulinspektor Herr Schwanhold für den Kreis Detmold ernannt und die Volksschule unter die Oberaufsicht des Staates
gestellt. Wenige Jahre später kam es dann zu einem Konflikt zwischen dem Schulvorstand der Gemeinde und der Kirchengemeinde Stapelage.
1928
Pastor Kramer schreibt zum Neubau des Gemeindehauses in Pivitsheide (1928) „ Zu einem Ja seitens der Gemeinde kam es vor allem dadurch,
dass
der antikirchlich eingestellte Schulvorstand der unteren Pivitsheide der Kirchengemeinde erklärte, die Schule dürfe in den Ferien nicht mehr für
Gottesdienste benutzt werden, wodurch gerade alle Gottesdienste an den Festtagen unterbunden wurden. Als dann der nächste Ostergottesdienst bei
schlechtem Wetter auf dem Friedhof abgehalten werden musste, kam aus der Gemeinde heraus der Entschluss: nun müssen wir wirklich sehen, dass
wir einen eigenen Raum bekommen“ (Mechthild Römisch, 50 Jahre Kirchengemeinde Pivitsheide, S. 17). In den 30er und 40er Jahren war Herr
Möller Hauptlehrer in der Volksschule I am Eichenkrug.
1949
Er wohnte in der Schulwohnung und wurde 1949, als er in den Ruhestand ging, von Lehrer Karl Gnade abgelöst, der ebenfalls die Wohnung in der
Schule mit seiner Familie bezog. In den Pivitsheider Schulen gab es immer Raumnot, da der Ortsteil aufgrund seiner günstigen Verkehrslage schnell
wuchs, insbesondere nach dem Bau der Eisenbahnlinie Herford – Detmold mit dem Bahnhof in Nienhagen und Straßenbahn im Jahr 1928 und nach
dem 2. Weltkrieg. Einwohnerzahl 109 (1609), 550 (1776), 2005 (1939), 2720 (1950), 3589 (1968), 5619 (1991), 6469 (2006),(Herbert Stöwer,
Lippische Ortsgeschichte 2008).
Schule auf der Kussel
Da der Weg von der Kussel bis zum Eichenkrug in der unteren Heide für die Kinder so weit war, wurde auf der Kussel eine Nebenschule eingerichtet.
Es war noch kein Schulgebäude errichtet und so stellte die Familie Bernhard
Brinkmann Nr.49 (heute Sandstraße 41), einen Raum in ihrem Haus zur
Verfügung (mündliche Überlieferung).
1893
Im Jahre 1893 wurde dann die neue Schule auf der Kussel gebaut und die
Straße erhielt den Namen Schulstraße (heute Sandstraße). Die Schulstelle
wurde mit Lehrer Lütgemeier besetzt, der in der Schule wohnte.
1903
Im Jahre 1903 übernahm der Lehrer Ernst Lütchemeier die Stelle an der
Schule auf der Kussel und zog mit seiner Familie in die Lehrerwohnung.
1927
Im Jahre 1927 wurde die Schule erweitert. Ernst Lütchemeier hat die Schule
auf der Kussel im Jahre 1928 verlassen. Zuletzt war Lehrer Leopold Deppe an
der Schule beschäftigt.
Schule an der Mittelstraße 1949
Mit dem Zuzug von Flüchtlingen während und nach dem 2. Weltkrieg wurde es wieder eng in den Schulen, so wurden 1949 ca. 400 Kinder in den fünf
Klassenräumen der beiden vorhandenen Schulen bis in die Abendstunden unterrichtet. Eine Aufstockung oder Erweiterung der Schule am Eichenkrug
oder der Schule auf der Kussel wurde vom Kreis Detmold für nicht möglich eingestuft und abgelehnt. Überlegungen, eine Schulklasse in einem Saal
der Gastwirtschaft Alf einzurichten, wurden ebenfalls vom Schulamt abgelehnt.
1948
Die Gemeinde Pivitsheide VL plante 1948 auf Drängen des Schulamtes einen Schulneubau. Auf Grund der angespannten Finanzlage der Gemeinde,
wurden Spenden der Pivitsheider Bürger für den Bau gesammelt. Der Schulneubau an der Mittelstraße (heute Oerlinghauser Str. 101) wurde im Jahr
1948 begonnen, die Rohbauabnahme erfolgte im Februar 1949 und die Gebrauchsabnahme am 23. Juli 1949. Der Klassenraum hatte eine Größe von
9 m x 6 m = 54 qm. Neben den schönen, hellen Klassenraum war noch eine Lehrerwohnung und im Keller Dusch- und Umkleideräume für den
Sportplatz vorhanden. Die kleine Wohnung unter dem Dach wurde von dem Lehrer Wilhelm Redicker bezogen.
(Detmolder Stadtarchiv D 106 Pivitsheide VL Schulneubau 102 (1948 – 1950)
Kusselbergschule 1954
Die Schulsituation in Pivitsheide war nicht zufriedenstellend, die drei Schulen waren an unterschiedlichen Standorten und die Räumlichkeiten nicht
ausreichend. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. November 1954 und das Richtfest wurde bereits am 8. Januar 1955 gefeiert.
1956
Am 1. April 1956 wurde die neue Volksschule am Rott eingeweiht. Endlich hatte die Gemeinde eine zentrale Schule, die den Schulkindern und
Lehrern ausreichend Platz bot. Die Stelle des Rektors wurde mit Karl Gnade von der Schule am Eichenkrug besetzt und Konrektor wurde Leopold
Deppe von der Schule auf der Kussel.
1968
Durch die Schulreform 1968 in Nordrhein-Westfalen wurde die Trennung von Grund- und Hauptschule vorgeschrieben. So wurde aus der Volksschule
am Rott unsere heutige Grundschule.
Literatur:
•
Friedrich Sauerländer, Blätter für lippische Heimatkunde Nr. I, 1906, / Jahrgang
•
Volker Wehrmann, Die Schulen in Lippe Von 1800 - !945 , 1980
•
Volksschule Stapelage – Hörste 1604 – 1965 August Saaksmeier Herausgegeben von der Gemeinde Hörste 1968
•
Leopold Möller, Stapelage Lippischer Heimatbund Detmold 1988
•
Seminaroberlehrer Wilhelm Burre, Das Lippische Lehrer- Seminar, Verlag Meyerchen Hofbuch-handlung Detmold 1925
•
50 Jahre Kirchengemeinde Pivitsheide hrsg. Vom Kirchenvorstand
•
Herbert Stöwer Lippische Ortsgeschichte, Lippische Studien Band 23
•
Stadtarchiv Detmold D 106 Pivitsheide VL, Schulneubau 102 (1948 – 1950)
•
Als auf der Kussel noch ein Windrad stand, Heimat- und Verkehrsverein Pivitsheide VL e.V.
Einige Lücken im Text müssen noch geschlossen werden. Wer noch Informationen zu den Schulen hat, der sollte sich beim Heimat- und Verkehrsverein
(Kontaktperson: Gerhard Mellies, Wilhelm–Mellies–Str. 38, Tel. 05232/ 87888) melden. Sollte noch jemand Bilder oder Pläne zu diesem Thema haben, dann
bitte beim Webmaster (siehe Impressum) melden. Die Bilder werden vor Ort digital kopiert und das Original kann sofort wieder mitgenommen werden.
Text und Recherche: HVV Mitglied Gerhard Mellies
Weitere Bilder von Schulen in Pivitsheide V.L. finden Sie in dem Bildband des
Heimat- und Verkehrsverein (Als auf der Kussel noch ein Windrad stand).